1.3 Begegnung mit Musik im Wandel der Zeit
Im Zeitalter von Globalisierung und multikultureller Gesellschaft
spiegeln sich die Prozesse der Abgrenzung, der Begegnung, des
Austausches, der Vermischung und der Zerschmelzung ohnehin schon
heterogener Kulturen auch in der Musik wieder. Funktionen, Möglichkeiten
und Stile der Musik sind heute noch vielfältiger den je, obschon durch
die Dominanz einer globalen Kultur viele traditionelle und lokale
Musikkulturen vom Aussterben bedroht sind. Musikproduktion und Rezeption
unterliegt weltweit einem radikalen Wandel. Da auch die Rolle und
Funktion der Musik im interkulturellen Dialog genauso davon betroffen
ist wie sie ihn widerspiegelt und auf ihn reagiert, scheint es gut, sich
der aktuellen Tendenzen und Prozesse zu vergewissern.
Viele tausend Jahre lang war live gespielte oder gesungene Musik fest
im Alltagsleben der Menschen verwurzelt; darüber hinaus spielte die
selbst erzeugte Musik bei Arbeit, Feiern, Kulten und Heilritualen eine
wichtige Rolle. Heute ist die live aufgeführte Musik weitgehend von
einer technisch übermittelten Übertragungsmusik abgelöst, die beliebig
austauschbar und prinzipiell überall im Alltag konsumierbar ist bzw.
konsumiert werden muss. Ein Weg der fremdbestimmten Dauerberieselung zu
entkommen ist die bewusste, selbst bestimmte Entscheidung ein bestimmtes
Musikstück zu hören oder zu spielen.27 Das aktive Musizieren ist in
allen modernen Gesellschaften auf dem Rückzug, wenn nicht gar ganz aus
dem alltäglichen Leben verschwunden. Live Musik wird vor allen Dingen
noch im Rahmen von Bildungsstätten und Konzerten kultiviert und
konserviert, wobei gegenüber der künstlerischen Funktion zahlreiche
andere Funktionen der Musik im Bereich der Heilung, des Kultes, des
Sozialwesen etc. mehr und mehr verloren gehen. Immer schon brachten
kultureller Austausch, Reisen und Migration Menschen in Kontakt mit
anderen Kulturen und deren Musik. Immer schon führten dieser Kontakt,
sowie künstlerische Innovation zu Veränderungen in der Musik, welche
neben der Bereicherung durch das Neue auch musikalisches Fremdeln bei
den Zuhörern auslösten. Im 20.Jahrhundert waren es allerdings zwei sehr
verschiedenartige Prozesse, welche den Wandel und die Fremdheit
musikalischer Gestaltung stark beschleunigten. Zum einem sind es die
Konzepte und das Verständnis der modernen Kunst, welches zu einem
radikalen Wandel musikalischer Gestaltung führte, zum anderen ist es die
Technisierung musikalischer Aufzeichnung und Produktion. So entstehen
spätestens ab den 60iger Jahren des 20. Jahrhunderts als Massenphänomen
viele neue Musikstile, aber auch Möglichkeiten der Aufzeichnung und
Veröffentlichung bisher auf der Welt verborgener anderer, traditioneller
und alter Musikkulturen.
Der musikalische Ausdruck der Fremden interessierte und faszinierte
in der Zeit 60/70 Jahre vor allen Dingen die jugendliche Subkultur der
Hippies. Aber auch Musiker und Musikethnologen sammelten in dieser Zeit
viel Material traditioneller und lokaler Musikkulturen. Schon in den
70iger Jahren entstanden noch in der Hippiebewegung die ersten
interkulturellen Musikprojekte wie etwa Ginger Bakers Airforce und
Embryos Reise. Dieses Interesse an Weltmusik wurde in den 80 Jahren des
20.Jhr. so groß, dass z.B. auf der Ebene der Avantgarde Festivals des
New Jazz immer auch Weltmusik integriert wurde. Tanz- und
Vermarktbarkeit führte auch zum Boom der Weltmusik im Bereich des
Mainstream populärer Musik der Discos und Charts. Gleichzeitig
dokumentierten Radioreporter und Musikethnologen das kulturelle
musikalische Erbe der Menschheitsgeschichte bevor es in den nächsten
Jahrzehnten mehr und mehr verschwinden sollte. Auch die Arbeit im
interkulturellen Dialog profitierte von diesem Interesse an Weltmusik.
Hatten die Migranten ausgeschlossen von der Öffentlichkeit zunächst nur
aus Pflege und Ausdruck der eigenen kulturellen Identität musiziert,
öffneten sich dieser Zeit die Kulturen mehr als früher einer breiteren
deutschen Öffentlichkeit und fanden nun auch mehr Akzeptanz für ihre
musikalische Kultur.
In den 90iger Jahren entwickelten sich durch die künstlerische Arbeit
der musikalischen Avantgarde, sowie durch intensive Vermischung
populärer Stile im Bereich des Mainstream Fusionen die zwar verschiedene
Musikstile in der Fusion erfolgreich integrierten, die aber immer
weniger Bezug zu ihrer soziokulturellen Herkunft aufwiesen. Auf der
musikalischen Ebene spiegelt das eine Auflösung kultureller Identitäten,
welche nur zum Teil als erfolgreiche interkulturelle Kompetenz und neue
interkulturelle Identität angesehen werden kann und auch Züge von
Assimilation trägt, in welcher traditionelle geographische
Musik-Identitäten durch den Mainstream einer globalen Pop und
Musikkultur aufgesogen werden.
In einem Interview der Sende Reihe: „Neugier genügt“ (WDR 5/Februar
2005) bringt ein indonesischer Gamelan Spieler, welcher in einer
indonesischen Metropole lebt, die Situation traditioneller lokaler
Musikkulturen prägnant und authentisch auf den Punkt: „Immer schon haben
sich die traditionellen Spielstiele des Gamelan und der Puppenspiele
durch gesellschaftlichen Wandel verändert. Heute aber ist der
gesellschaftliche Wandel so schnell, dass es nicht mehr möglich ist, mit
der Quelle der Tradition in Kontakt zu bleiben. Der gesellschaftliche
Druck zur Veränderung ist so stark, dass es nicht mehr zum Ausdruck
kommt, wenn Ausdruck nicht mehr möglich ist, kommt es zur Explosion“ .
2. Die Thesen des Deutschen Musikrates
Unter dem Schlagwort „Kulturelle Identitäten stärken -
interkulturellen Dialog ermöglichen“ formuliert der deutsche Musikrat im
Jahre 2005 seine Basisthese: „Die Wahrnehmung unterschiedlicher
Identitäten kann nur durch eine Position des „sich selbst bewusst seins“
gelingen - denn wer das eigene nicht kennt, kann das Andere nicht
erkennen geschweige denn schätzen lernen.“ Stärkung der kulturellen
Identität ermöglicht einen gleichberechtigten und selbstbewussten Dialog
auf Augenhöhe, welcher eine Grundbedingung für einen gleichberechtigten
und gelingenden Dialog / Kommunikation ist. Musik ist dabei sicherlich
ein Medium der Identitätsbildung, mit dem es möglich ist, sich auf die
eigene Kultur und ihre Werte rückzubesinnen und hervorragend dazu
geeignet, sich selbst und kulturelle Werte in seiner Ganzheit und
Sinnhaftigkeit mitzuteilen und zugleich in ihrer Andersartigkeit
erfahrbar werden zu lassen.
Diese Basisthese und die Reflexion der Neugier und Offenheit jedes
neugeborenen Kindes als Chance und Verantwortung, diese
Selbstbewusstsein im Sinne einer breit angelegten und qualifizierten
musikalischen Bildung anzulegen, führt zu praxisnahen Forderungen für
musikalische Bildung, Musikpädagogik, Politik und Gemeinwesen und
Präsentation von Musik in der Gesellschaft. So fordert der deutsche
Musikrat:
Jedes Kind muss unabhängig seiner sozialen und ethnischen Herkunft,
die Chance auf ein qualifiziertes und breit angelegtes Angebot
musikalischer Bildung erhalten, dass die Musik anderer Ethnien
einschließt.
Musikalische Ausbildung und interkulturelle Kompetenz für Erzieher/innen
Schule muss als Ort kultureller Identitätsbildung und
interkultureller Begegnung auch Musikunterricht durchgängig und
interkulturell gestalten.
Das Laienmusizieren muss als Fundament kultureller Identitätsbildung
und Plattform interkultureller Dialoge gestärkt und ausgebaut werden
Die Verbände und Organisationen der Zivilgesellschaft müssen sich
ihrer Verantwortung für den interkulturellen Dialog bewusst werden. Der
deutsche Musikrat wird eine Task-Force einsetzen, die musikpolitische
Arbeit und seine Projekte im Hinblick auf interkulturellen
Kompetenzzuwachs evaluieren wird.
Bildungseinrichtungen für Musik sollen ihre Angebote auf den Ausbau
möglicher Handlungsfelder zur Beförderung des interkulturellen Dialogs
überprüfen. Dabei geht es nicht um mediale Befriedigung eventartiger
Kurzschlüsse, die im Sinne einer Nachhaltigkeit eher kontraproduktiv
wirken, aber leider in den Förderpraxen von der öffentlichen Hand und
privaten Geldgebern gerne gesehen sind.
Die Medien müssen ihrer Multiplikatorenrolle für Bildung, Kultur und interkulturellen Dialog viel intensiver gerecht werden.
Die auswärtige Kulturpolitik muss zentraler Mittler für
interkulturellen Dialog sein. Es bedarf vor allen Dingen Förderung von
Begegnungsprogrammen, dies sowohl für Laienmusiker, wie für
professionelle junge Musiker/innen.
3. Skizzenblock der Musik im Interkulturellen Dialog
3.1 Musik ist mehr oder die Reduktion der Musik auf Kunst
Die Thesen des deutschen Musikrates sind Ergebnis konkreter
Erfahrungen des interkulturellen Dialogs und musikpädagogischer Praxis,
dabei reagieren sie exakt auf bestehende Mängel und formulieren
wünschenswerte Änderungen. Deutlich wird auch, dass nicht nur alte
traditionelle Musikstile anderer Kulturen vom Aussterben und Wegfall der
Sinnkontexte betroffen sind, sondern auch die deutsche Volksmusik, die
klassische Musik des Abendlandes oder die moderne ernste Musik um ihren
Nachwuchs fürchten, da diese Musikstile nicht mehr im Lebensalltag der
Menschen integriert sind, sondern in der Kunst nun aussterbenden
Spezialisten und Profimusikern überlassen wurden. So sieht der deutsche
Musikrat im Ausbau des Laienmusizierens, in der Förderung auswärtiger
Kulturpolitik und in Begegnungsprogrammen für junge Musiker auch eine
Chance ausgebildeten alten wie jungen Musikern eine gesellschaftliche
Aufgabe und Finanzierung zuzuweisen.
Sicherlich ist die konzertante Musik als anerkannte Kunstform und
Kulturgut auch geeignet, als Botschafter eine Kultur nach außen zu
vertreten und zu repräsentieren. Der musikalische Vortrag ist aber
naturgemäß kein Dialog, sondern ein Monolog mit starkem
Sendebewusstsein. Dem Zuhörer bleibt dabei die aktive Rezeptivität.
Traditionelle Musik (Musik jenseits modernen Kunstverständnisses) oder
Musik überhaupt ins Rampenlicht der Bühne zu rücken heißt sie außerhalb
ihrer sozial-historischen Sinnkontextes oder Lebenspraxis zu
stellen/bzw. zu erleben. Aus unserer Sicht ist dies eine folgenschwere
Reduzierung der Musik auf eine Kunstform. In traditionellen Kulturen ist
Musik eingebettet in einen Sinnkontext und eine Lebenspraxis. Nur wenn
dieser erfahrbar wird besteht, die Möglichkeit, Musik als Ausdruck einer
anderen Kultur und des sozio-historischen Wirkgefüges nachzuvollziehen.
Spricht man mit Menschen, Musikern und Organisatoren des
interkulturellen Dialogs wird Musik oft als Brücke zwischen den Kulturen
angesehen. Zugrunde liegt dabei eine Sicht die aufgrund von
Vorsprachlichkeit, Emotionalität und interpretatorischer Offenheit des
musikalischen Ausdrucks, Musik als von allen Menschen verstehbar
ansieht. Prinzipiell kann Musik diese Dimension auch erreichen, es ist
aber ebenso möglich, dass in ihr dieselben Projektionen,
Missverständnisse und Vorurteile zum tragen kommen wie insgesamt. Ob es
dem Zuhörer gelingt die Musik als Brücke zu anderen Kultur zu betreten,
bleibt somit offen und ist eher vom Psychologischen als vom
Musikalischen bestimmt.
3.2 Ist das Fremde wirklich fremd ?- Vom Verlust kultureller Identität zum Selbst
Sicher scheint zunächst nur „Musik als Kunst bzw. Kulturgut“ längst
ein weltweit verbreiteter gemeinsamer Wert und Zeichen einer globalen
Kultur. Mögen die Inhalte des Bühnengeschehens auch fremd sein, die
Bühne ist es nicht. So lässt sich hier fragen, ob die der Musik als
Kunst dargebrachte Akzeptanz, nicht vielmehr eine gemeinsame Kultur der
Kunstwertschätzung über Ländergrenzen hinweg belegt, als dass das
Andere/die Differenz in der Kunst zu erfahren gelingt. Anders gesagt:
Differenzen überhören ist nicht zuhören. Längst sind fremde Kulturen
nicht mehr fremd und die eigene Kultur der Vergangenheit ist einem fremd
geworden. Schon immer waren Kulturen mehr oder weniger fremd. Schon
immer gab es Einheit in der Vielfalt, genauso wie Vielfalt in der
Einheit. Ob wir Differenz oder Gemeinsamkeit erfahren, liegt im Auge des
Betrachters verborgen.
Moderne globalisierte Gesellschaften sind heute äußerst heterogen und
vielschichtig. Der beschleunigte Wandel wie die Umwälzungen durch
Globalisierung führt allerorten zum Verlust von Traditionen und
kultureller Identität/Einheit, sie macht Entwurzelung und kulturelle
Relativität spürbar. Kulturphilosophen sprechen vom „zerbrochenen
Spiegel“, traditionelle Musiker vom Verlorensein im globalen Raum. So
müssen wir heute für viele Menschen und ganze Gesellschaften von einem
Verlust kultureller Identität ausgehen. In diesen Zeiten ist es für
viele Menschen schwer geworden, die Komplexität einer globalen Kultur
neurologisch zu integrieren. Reduktion, Selektion, Abgrenzungen,
Rückgriff auf Vergangenes, Zugehörigkeit zu Teilgruppen etc. gehören
genauso zu Bewältigungsstrategien diese Lebens in der Welt wie die
emotionale Verankerung in Musikstilen und kultureller Identität. Die
Konstruktion einer kultureller Identität durch den einzelnen oder auch
Gruppen ist dabei selektiv von Interessen geleitet und realisiert in
Leben und Denken immer nur Ausschnitte aus einem Meer an Möglichkeiten
der Geschichten, der Herkunft und der kulturellen Identität.
Die zentrale These des deutschen Musikrates greift auf
psychologisches Wissen zurück. Nur eine starkes und gesundes
Selbstbewusstsein, kann in den Dialog mit dem Anderen treten ohne seine
Schattenseiten zu projizieren, ohne die Angst sich selbst zu verlieren,
ohne sich durch Andersartigkeit fundamental in Frage gestellt zu werden.
Dies ist sicherlich richtig. Richtig ist auch, dass eine Stärkung
seiner kulturellen Identität die Identität des Einzelnen stärkt. In
Zeiten in denen kulturelle Identität nicht mehr eindeutig ist, ist es
aber fraglich, welche Identität es denn zu stärken gilt. Längst leben
wir im Zwischeneinander der Kulturen.
Konkret deutlich wird dies z.B. in der Forderung nach einem
qualifizierten und breit angelegten Angebot musikalischer Bildung, dass
die Musik anderer Ethnien einschließt, und die Schaffung eines
interkulturellen Musikunterrichtes etc. forciert. Sicher ist, dass eine
musikalische Bildung, in welcher verschiedenste Melodien, verschiedene
Rhythmen, verschiedenen Weltanschauungen zum tragen kommen, sich günstig
auf die Musikalität des Kindes auswirken. Aber fördert es wirklich ein
Bewusstsein der eigenen kulturellen Identität oder schafft es mit den
musikalischen Repräsentationen nicht vielmehr eine neue interkulturelle
Identität, welche trotz subjektiver oder normativer Vorlieben andere
Musik-Lebensstile akzeptiert und emotional versteht? Diese
interkulturelle Identität könnte die integrative Kraft besitzen, heutige
kulturelle Differenzen zu lösen, wäre aber sicherlich nicht mehr in der
Lage, außerhalb von Sprache bzw. musikalisch in ihrer kulturellen
Herkunftsgeschichte zu wurzeln.
Als wesentliche Grundpfeiler im Dialog der Kulturen gelten
Selbstbewusstsein, Offenheit und Neugier. Doch sind Selbstbewusstsein,
Offenheit und Neugier immer mehr oder weniger vorhanden. Im von
Ideologien, Interessen, Vorstellungen und starken Gefühlen geleiteten
Verhalten von Menschen geht gerade diese Bewusstseinsdimension schnell
verloren. (vgl COAL S. 36) Der deutsche Musikrat sieht so nicht ohne
Grund die größten Chancen für Offenheit und Neugier bei Kindern als am
größten an. Akzeptanz, Offenheit, Neugier und Selbstbewusstsein sind
auch die Grundpfeiler dafür, dass die Rezeption von Musik zur Einfühlung
und zum emotionalen Verstehen einer Musikkultur werden kann. Identität
und Selbstbewusstsein aber sind nicht deckungsgleich. Wesentliche Teile
bewusster wie unbewusster Identität verhindern oft gerade wirkliche
Offenheit. Der Begriff des Selbst hingegen ist aus psychologischer Sicht
semantisch offen und treibt auf den Ozean der Einheit hinaus. So
enthält er sehr viele Impulse für ein Selbstbewusstsein jenseits von
Identität.
3.3 Musik als Weg in die Gemeinsamkeit
Aus unserer Sicht ist ein wirklicher Dialog durch verstehenden
Nachvollzug möglich. Kulturgüter wie etwa Musikkompositionen und
Dichtung bilden durch ihre große Stabilität und ihre hohe synthetische
Kraft dafür ein geeignetes Medium. Offenheit und Akzeptanz für Fremdes
setzt Vertrauen und Sicherheit voraus. Konzertsäle und Bühnen bieten
einen sicheren Rahmen, sich dem Fremden zu öffnen und mit ihm zu
identifizieren. Im emotionalen Nachvollzug wird ein Verstehen seiner
selbst, genauso möglich wie eine Einfühlung in das Andere. Das
vermeintlich Andere birgt und repräsentiert letztlich nur andere
Möglichkeiten ein und des selben Mensch-Seins. Informationen über den
Kontext sind für den Zuschauer ein erster Schritt, die Musik in ihrem
Sinnkontext und ihrer Lebenspraxis nachzuvollziehen. Mit wachsender
Vertrautheit wird es auch möglich, sich fremd zu werden, praktische
Erfahrungen im eigenen musikalischen Spiel und singen fremder Melodien
zu machen. Denn die Methode des Verstehender Nachvollzug beinhaltet
Wahrnehmung und praktische Nachahmung, erst dann wird es möglich
kulturelle Schätze zu heben oder vergessenen Ressourcen in das eigene
Leben zu integrieren und zwar unabhängig davon, ob man kulturfremd oder
Angehöriger der Kultur ist. Musik spiegelt die Kultur eines Volkes
wieder, sowie seine Mentalität und seine Psyche. Also lohnt es sich die
Mühe zu machen, um eine fremde Kultur kennenzulernen.
Auch der türkisch-muslimischer Geistiger und Prädiger Gülen denkt
positiv über die Musik und sagt:“ Musik ist ein Weg, eine Kunst und eine
Notwendigkeit. Musik hören liegt in der Natur des Menschen, so wie auch
die Eigenschaften Gier, Ehrgeiz, Lust, Neid usw. zum Menschsein
gehören. Musikhören ist was Schönes. Das schlechte daran ist, dass der
Mensch um seinen Egowillen versucht, diese Eigenschaften in die falschen
Fährten lenkt. Mit seinem guten Willen könnte er mit diesen
Eigenschaften eine positive Richtung steuern, um gute Dinge auf die Welt
zu setzen.“ (Eine Übersetzung aus dem Auszug „Musiki üzerine
düşünceler“ Fethullah Gülen 16.01.2012)
Dieser Gedanke käme für viele traditionellen muslimischen Geistigen
oder Prädigern extraoridinär vor und die Rolle der Musik innerhalb der
muslimischen Community noch nicht genug geschätzt.
Fortsetzung folgt